Stolpersteinrundgang in Ohligs

Achtung: der Rundgang am 1. August ist ausgebucht! Hans-Günter Koch bietet am 19. September eine weitere Tour an. Nur nach Voranmeldung unter Tel. 318130 oder E-Mail: hgkoch@t-online.de!


An der Düsseldorfer Straße liegen mehrere Stolpersteine, so auch für die Familie Meyerhoff (links) und die Familie David (rechts). Quelle: Stadtarchiv Solingen, PK 2443

Vor 75 Jahren wurde Solingen vom Faschismus befreit. Die Verbrechen der Nazis wurden offenbar. Auch viele Solingerinnen und Solinger wurden Opfer der Nazis.

Auf dem Rundgang werden einige Stolpersteine besucht und über das Schicksal der Opfer sowie deren Lebensumstände und die Zusammenhänge von Verfolgung und Widerstand in Solingen in der Zeit von 1933 bis 1945 berichtet.

Der Rundgang dient nicht nur der Erinnerung. Er soll Anregungen geben, sich mit der jetzigen Rechtsentwicklung auseinander zu setzen.

Termin: Samstag, 1. August und 19. September 2020
Treffpunkt 14 Uhr vor dem Hauptbahnhof an der Uhr
Dauer ca. 1,5 Stunden
Teilnahmegebühr 5,- €

Wegen der Corona-Bestimmungen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Stadtführer Hans-Günter Koch
Tel. 31 81 30
email: hgkoch@t-online.de

Solinger spenden 70 Stolpersteinbücher an engagierte Jugendliche

Uli Preuss verteilte am Mittwoch Stolpersteinbücher am Schulzentrum Vogelsang. Foto: Daniela Tobias

Als am 27. Januar das Stadtarchiv Solingen die Dokumentation über die Solinger Stolpersteine veröffentlichte hatte der Journalist Uli Preuss auf seiner Reise im fernen Kambodscha spontan eine Idee: Was wäre, wenn genau die Schülerinnen und Schüler weiter motiviert würden, die sich bereits in Arbeitsgruppen mit dem Nationalsozialismus beschäftigen und sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren? Was wäre, wenn man diesen Jugendlichen eine Ausgabe der Dokumentation von 150 Solinger Schicksalen kostenlos zukommen lassen könnte?

Ein Aufruf erging über Facebook. Vor zwei Wochen dann das Ergebnis: fast 70 Bücherspenden waren zusammengekommen! Solinger spendeten sogar aus Brandenburg und München. Manche finanzierten ein Buch, andere wie der Verein „FÜReinander“ gaben gleich mehrfach. Der Stückpreis liegt immerhin bei knapp 25 Euro.

Das Buch mit den 150 Schicksalen ist vor allem durch den Abdruck zahlreicher Dokumente und Fotos interessant. Foto: Daniela Tobias

Die über 300 Seiten schweren Bände wurden im inhabergeführten örtlichen Buchhandel bestellt und dann an Projektgruppen verteilt wie die „Weiße Rose-AG“ der Geschwister-Scholl-Schule, an den Arbeitskreis „Jüdischer Friedhof“ der Alexander-Coppel-Gesamtschule oder die Israel-AG am Humboldtgymnasium.

Gestern verteilte Initiator Uli Preuss Stolpersteinbücher am Schulzentrum Vogelsang an die Mutmacher-AG und Jugendliche, die sich in einer Projektwoche mit dem Solinger Widerstandskämpfer und Künstler Ernst Walsken beschäftigt hatten. Am Samstag werden die letzten fünf Nachschlagewerke über die Schicksale von Solingern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, im Naturfreundehaus Holzerbachtal verteilt. Dort ist ebenfalls eine engagierte Jugendgruppe tätig.

Dokumentation „Man soll mich nicht vergessen“

Ein Satz des Solingers Arthur Deichmann, gerichtet an seine Familie, am Tag bevor er im September 1944 von den Nationalsozialisten in Bremen hingerichtet wurde, steht als Titel über der Dokumentation zu den Solinger Stolpersteinen. 150 Schicksale von Verfolgung und Mord während der NS-Zeit hat Armin Schulte darin im Auftrag des Solinger Stadtarchivs zusammengestellt.

Neben den 123 bereits verlegten Stolpersteinen sind auch Biographien von Menschen beschrieben, deren letzter freiwilliger Wohnort nicht in Solingen lag oder die überlebten, so dass ihre Geschichte nicht die Kriterien für eine Stolpersteinverlegung erfüllten. Die Texte sind durch Fotos und eine Vielzahl von historischen Quellen und Dokumenten angereichert. Sie erzählen von Solingerinnen und Solingern, die aus den unterschiedlichsten Gründen Widerstand leisteten, die ihrer Partei oder Religion treu blieben und deren Glaube an Freiheit und Menschlichkeit ungebrochen war. Von Menschen, die als Juden, Sinti und Roma oder als „minderwertiges Leben“ entrechtet und verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt, zwangssterilisiert oder vertrieben und schließlich in Tötungsanstalten und Vernichtungslagern umgebracht wurden.

Der Band ist im Bergischen Verlag Remscheid erschienen und wird im Stadtarchiv sowie im Buchhandel für 24,95 Euro angeboten, ISBN 978-3-945763-87-2.

Die Veröffentlichung am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus markiert den Start des Stadtarchivs Solingen für den Aufbau der Bildungs- und Gedenkstätte im Neubau der Stadtsparkasse Solingen an der Max-Leven-Gasse.

Die nächste Stolpersteinverlegung ist bereits geplant: Voraussichtlich im Oktober 2020 werden an der Katternberger und der Kölner Straße Steine für die jüdischen Familien Siegfried und Alfred Feist gesetzt werden. An der Verlegung werden auch Nachfahren teilnehmen.

 

Webseite max-leven-zentrum.de

Der Verein Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen e.V. hat inzwischen eine eigene Webseite: max-leven-zentrum.de

Hier finden Sie zukünftig alle Informationen, die die Vereinsaktivitäten und die Entwicklung der Bildungs- und Gedenkstätte angehen.

Die erste öffentliche Mitgliederversammlung findet am 17. Februar 2020 um 19.30 Uhr um Waschhaus Weeger Hof statt.

Mildred-Scheel-Berufskolleg erinnert an Erich Hammesfahr

Mara und Siwan mit der Biografie von Erich Hammesfahr. Foto: Daniela Tobias

Trotz des ungemütlich kalten Wetters hatten sich Mara und Siwan am 2. Dezember an der Kirschbaumer Straße 9 getroffen, um den Stolperstein von Erich Hammesfahr zu säubern. Die Schülerinnen des Mildred-Scheel-Berufskollegs engagieren sich in der Antirassismus-AG, die seit 2018 an der Aktion „Schüler putzen Stolpersteine“ teilnimmt, und hatten sich im Vorfeld mit der Biografie des Zeugen Jehovas befasst.

Vorher/Nachher. Foto: Daniela Tobias

1907 in Solingen geboren wurde er ab 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt, da die sogenannten „Bibelforscher“ als Staatsfeinde angesehen wurden. Sie verweigerten den Kriegsdienst und lehnten die NS-Rassenlehre ab. Um seine verwitwete Mutter zu schützen, zog Hammesfahr nach Viersen und betätigte sich dort weiter im Widerstand. Er wurde mehrfach verhaftet und misshandelt, 1937 schließlich zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Haftstrafe wurde er jedoch nicht entlassen sondern im Januar 1940 in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Hier starb er am 18. Februar 1940 angeblich an Herzschwäche.

Weitere Steine im Gebiet Katternberg und Mangenberg wird die Antirassismus-AG in den kommenden Wochen putzen.

Aspekte von Widerstand und Verfolgung in Solingen seit 1933

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 begann unmittelbar die Ausschaltung der politischen Gegner auf nationaler wie lokaler Ebene. Während bürgerliche Organisationen zum Teil mitmachten oder zumindest geduldet wurden, wurde die Arbeiterbewegung massiv verfolgt, die ersten Konzentrationslager entstanden, häufig mitten in Wohngebieten.

Wie sich diese Konstellation auf die Entwicklung von Widerstand und Verfolgung in Solingen auswirkte, erläutert der Solinger Historiker Dr. Horst Sassin in seinem Vortrag.

Donnerstag, 21. November 2019, 18:30 Uhr
Forum/Raum 322 der Berg. VHS, Mummstr. 10, 42651 Solingen

Eintritt frei