Weiße-Rose-AG putzt Ohligser Stolpersteine

Die „kleine“ Weiße-Rose-AG putzt Stolpersteine in Ohligs. Foto: Laura Schürmanns

Die „kleine“ Weiße-Rose-AG der Siebstklässler der Geschwister-Scholl-Schule putzte am 16. Januar in der Ohligser Fußgängerzone unter der Leitung von Laura Schürmanns Stolpersteine.

An der Düsseldofer Straße – seit jeher Zentrum des Einzelhandels in Ohligs – betrieben zahlreiche jüdische Händler ihre Geschäfte. Traditionell waren sie stark im Textilhandel vertreten, aber auch ein Schuhgeschäft und ein Warenhaus waren darunter. Die meisten Inhaber mussten ihre Geschäfte 1938 im Zuge der „Arisierung“ zwangsweise aufgeben und mit Verlust veräußern. Oft gelang den Kindern noch die Auswanderung, während die Eltern keine Chance mehr auf Visa für eine legale Emigration hatten.

Stolperstein für Paul Steeg. Foto: Laura Schürmanns

Paul Steeg, dessen Warenhaus von seiner Tochter Grete und Schwiegersohn Walter Wertheim Anfang der 1930er Jahre übernommen worden war, vertrieb man in der Pogromnacht aus der eigenen Wohnung. Der stellvertretende Vorsteher der jüdischen Gemeinde Solingen floh mit seiner Frau Emma nach Köln, wo er zwei Tage später im jüdischen Krankenhaus verstarb. Seine Familie wanderte in die USA aus.

Der Schuhhändler Abraham Rosenbaum wurde im Oktober 1938 nach Polen abgeschoben, da er als polnischer Staatsbürger galt. Von dort gelang ihm noch einmal die Flucht nach Belgien, aber im November 1943 wurde er zusammen mit Tochter Lia von Paris nach Auschwitz deportiert und ermordet. Das gleiche Schicksal ereilte Karl Wallach, der ebenfalls nach Belgien geflohen war.

Julie Coopmann, Simon und Henriette Meyerhoff wurden im Oktober 1941 von Köln ins Ghetto von Lodz deportiert und ermordet.

Geschäft der Familie Davids. Quelle: Stadtarchiv Solingen

Der Handlungsgehilfe Georg Davids zog Ende 1899 aus Benrath nach Ohligs. 1903 wurde im Adressbuch erstmals das Herrengarderobengeschäft „Gebrüder Davids“ an der Düsseldorfer Straße aufgeführt.

Das Ehepaar Georg und Jenny Davids hatte zwei Kinder: Sohn Walter (* 14. Juni 1904) und Tochter Hilde (* 4. Februar 1906). Walter wurde 1935 Teilhaber des Geschäfts seiner Eltern. 1937 heiratete Walter die in Meinigen geborene Gerda Stein. Hilde heiratete in Frankfurt am Main Karl Eichenberg.

Am 28. Januar 1938 wurde die Firma Davids „arisiert“, das heißt an einen nichtjüdischen Besitzer zwangsübertragen. Die Artmeier HG aus Solingen führte das Geschäft als Filiale weiter.

Georg und Walter Davids meldeten beide am 4. März 1938 ein Gewerbe als Handelsvertreter für Textilwaren an, das sie jedoch kurze Zeit später wieder aufgaben. Am 31. März 1938 zogen die Ehepaare nach Köln. Sowohl Vater als auch Sohn zahlten „Reichsfluchtsteuer“, hatten also die Absicht zu emigrieren. Georg und Jenny Davids gelang dies jedoch nicht mehr. Im Januar 1943 wurden sie von Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Walter und Gerda Davids konnten ebenso wie Hilde und Karl Eichenberg im Oktober 1938 in die USA emigrieren und überlebten.

Antirassismus-AG des Mildred-Scheel-Berufskollegs putzt Stolpersteine

Am 26. September packte die Antirassismus-AG des Berufskollegs an der Beethovenstraße Tüten mit Zahnpasta, Bürsten, Schwämmen und Wasser und machte sich in kleinen Gruppen auf den Weg, neun Stolpersteine vom Mangenberg bis Katternberg zu säubern. Referendarin Bianca Klein hatte das Thema in der vorherigen Stunde eingeführt. Für Projektleiter Dennis Mühlsiegl und Dieter Nelles traf sich das Putzen gut mit der geplanten Exkursion zur Gedenkstätte der Emslandlager, wo auch einige Solinger Widerständler als „Moorsoldaten“ inhaftiert waren.

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Geschichtskurs der Schwertstraße putzt Stolpersteine

Gerd Adolf Friedberger. Quelle: Stadtarchiv Solingen

Kurz vor den Sommerferien haben auch die Schüler des Gymnasiums Schwertstraße „ihre“ Stolpersteine poliert. Zwei Grundkurse Geschichte der Jahrgangsstufe Q1 unter Leitung von Daniel Rahn waren dazu in der Innenstadt unterwegs. „Jetzt wissen wir, wie lange man braucht, wo die Steine sind und wie sie am besten gereinigt werden“, so der Pädagoge. Im nächsten Jahr ist geplant, dass die neunte Jahrgangsstufe im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts mit dem Themenschwerpunkt Nationalsozialismus die Reinigung übernimmt.

Den ersten Stein fanden die Schüler direkt vor dem Haupteingang des Gymnasiums. 2005 wurde hier für Gerd Adolf Friedberger ein Stolperstein verlegt. Er besuchte das Gymnasium bis 1938, als alle jüdischen Kinder gezwungen wurden die allgemeinen Schulen zu verlassen. Die Schüler-AG Bunker/Synagoge hatte zuvor seinen Lebensweg recherchiert. Obwohl er sich auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitete, deportierte man ihn 1941 zusammen mit seinen Eltern nach Lodz. Die Familie wurde Anfang Mai 1942 in Chelmno ermordet. „Geschichtskurs der Schwertstraße putzt Stolpersteine“ weiterlesen

Alexander-Coppel-Schule nutzt Projekttag zum Putzen

Stolperstein für Moritz Marx an der Florastraße. Foto: Daniela Tobias

An der Alexander-Coppel-Gesamtschule fand am 10. Juli 2018 ein Unesco-Projekttag statt, an dem sich 14 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Simone Sassin und Sandra Witting mit den Stolpersteinen in der Umgebung der Schule befassten. Zunächst erstellten sie Plakate mit den Lebensläufen derjenigen, die seinerzeit der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Darunter waren nicht nur jüdische Mitmenschen wie das Ehepaar Giesenow, sondern auch Widerständler wie Albert Müller, Euthanasie-Opfer wie Ernst Müller und Kleinkriminelle wie Karl Braun, die als Asoziale diffamiert wurden. Auch Dr. Alexander Coppel, der Namensgeber der Schule, war unter den Biographien, die erarbeitet wurden.

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Technisches Berufskolleg putzt in der Innenstadt

Stolpersteine für Alfred und Johanna Sobotki an der Weyersberger Straße. Foto: Vincent Heinz

Am 5. Juli machten sich die Schüler der Unterstufen-Klasse der Informationstechnischen Assistenten des Technischen Berufskollegs unter Leitung von Jens Maßmann auf den Weg, um in der Umgebung ihrer Schule Stolpersteine zu putzen. Direkt an der Weyersberger Straße fanden sie die Steine von Hermann Hoffmann, einem jüdischen Rechtsanwalt, der 1942 nach Theresienstadt verschleppt wurde und kurz nach seiner Ankunft angeblich an Herzversagen starb, sowie des Ehepaars Alfred und Johanna Sobotki, die die Gastwirtschaft im Solinger Gewerkschaftshaus führten. Zusammen mit Tochter Alice, die ebenfalls in Solingen lebte, wurden sie 1941 in das Ghetto von Lodz deportiert. Alle drei kamen dort ums Leben während eine Tochter und eine Enkelin in Belgien überlebten und nach dem Krieg nach Köln zurückkehrten.

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Ein Anruf aus Israel

Steine von Eva Friesem und Paula Strauss am Schlagbaum. Foto: Birgit Karrenbauer-Mayerhofer

Am 16. Juni erreichte mich ein überraschender Anruf aus Israel: Jossi Friesem hatte gehört, dass die Schüler der Hauptschule Central die Stolpersteine seiner Großmutter Eva Friesem und seiner Tante Paula Strauss geputzt hatten. Er wollte sich bei den Jugendlichen bedanken. Albert Josef Friesem, so sein Geburtsname, war 1930 in Solingen geboren worden und musste im Alter von vier Jahren zusammen mit seiner Familie seine Heimatstadt verlassen, um über Tschechien nach Palästina zu emigrieren.

Eva Friesem blieb mit ihrer ältesten Tochter Paula in Solingen zurück. Die Familie betrieb ursprünglich einen Schrotthandel an der Kronprinzenstr. 7, in Höhe des heutigen Theaters, wo seit 2008 die beiden Stolpersteine liegen. Im Oktober 1941 wurde Paula nach Lodz deportiert und im Mai 1942 ermordet, während ihre Mutter im September 1942 in Theresienstadt verstarb.

Jossi Friesem besuchte nach Kriegsende mehrfach die Klingenstadt mit seiner Familie und knüpfte Bekanntschaften, wie mit Hans Joachim Schneider, der verschiedene Artikel über die Geschichte der Familie Friesem im Solinger Tageblatt veröffentlichte. „Heute bin ich zu alt für solche Reisen, aber ich freue mich immer über Besuch aus Deutschland“, erzählte der 87-jährige am Telefon.

Die Weltrettungs-AG der Hauptschule Central putzte die Steine von Eva Friesem und Paula Strauss am Schlagbaum. Foto: Birgit Karrenbauer-Mayerhofer