Gedenken und Stolpersteinverlegung am Neumarkt

Stolpersteine für Familie Brauer. Foto: Daniela Tobias

Am Neumarkt wurde am Abend des 13. Juli 2021 ein Stolperstein für Hedwig Brauer verlegt. Damit erinnerten der Solinger Appell, der Unterstützerkreis Stolpersteine für Solingen und das Max-Leven-Zentrum Solingen an die Opfer des Pogroms vom Pfaffenberger Weg vor genau 80 Jahren. Auch die Witwe Hedwig Brauer zählte zu den sechs Juden und Jüdinnen, die in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1941 in dem sogenannten „Judenhaus“ von Parteimitgliedern brutal überfallen wurden.

Die Historiker Stephan Stracke und Armin Schulte erinnerten an die Vorgeschichte der Verfolgung der betroffenen Familien durch das NS-System, die bereits viel früher einsetzte und zu Ausgrenzung und Entrechtung und schließlich in die Vernichtung führte. Oberbürgermeister Tim Kurzbach mahnte, dass es auch heute schon wieder Mut und Zivilcourage brauche, sich gegen Antisemitismus zu stellen und Bedrohungen auszuhalten. Erst kürzlich war eine israelische Flagge am Rathaus, die am Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland gehisst worden war, von unbekannten Tätern heruntergerissen und verbrannt worden.

Das Solinger Tageblatt berichtete am 14. Juli 2021: „Opfer des Pogroms am Pfaffenberg: Ein Stolperstein für Hedwig Brauer“

Sylvia Löhrmann als Patin des Stolpersteins betonte, dass das Erinnern eine wichtige Aufgabe sei, um Verantwortung für die Zukunft übernehmen zu können. Wenn Gegner:innen von Corona-Schutzmaßnahmen sich gleich Anne Frank als Opfer einer Diktatur darstellten, brauche es entschiedenen Widerspruch. Stolpersteine leisteten einen wichtigen Beitrag, um Jugendliche für die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zu interessieren. Es sei aber wichtig, jüdische Geschichte nicht allein aus der Opferperspektive zu sehen, sondern die Vielfalt jüdischen Lebens zu allen Zeiten zu vermitteln. Sie ist Generalsekretärin des Vereins „321 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Die etwa 50 Besucher:innen konnten glücklicherweise noch ohne Schirm und Regenjacke an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, nicht ahnend, welche Wassermassen sich nur wenige Stunden später über Solingen und das Bergische Land ergießen sollten. Wir danken Luca Miedek für seine stimmungsvolle Begleitung am Cello, Armin Schulte und Stephan Stracke für die eindringlichen Vorträge zu den historischen Hintergründen, Falk Dornseifer für die Organisation von Strom und Ton und dem Projekt AQUARIS von der Hasseldelle für die Vorbereitung der Stolpersteinverlegung.

Fotos: Daniela Tobias

Gedenken an 80. Jahrestag des Pogroms am Pfaffenberg

Der Solinger Appell, der Unterstützerkreis Stolpersteine für Solingen und das Max-Leven-Zentrum Solingen laden herzlich zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung ein!

Der Überfall ereignete sich in der Nähe der Endhaltestelle Hästen. Foto: Daniela Tobias

Ab 1939 mussten die noch nicht aus Deutschland ausgewanderten Jüdinnen und Juden zwangsweise zusammenziehen. Ziel war die Trennung von der „arischen“ Bevölkerung. Auch eine von der Synagogengemeinde Solingen angemietete Wohnung am Pfaffenberger Weg 190 wurde zu einem sogenannten „Judenhaus“.

In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1941 wurden hier Friederike Blondine Strauß, ihre Tochter Herta Brauer und ihr Schwiegersohn Walter Brauer, dessen Mutter Hedwig Brauer, die Witwe Vera Stock und Gisela Freireich Opfer eines Pogroms. Unter Droh- und Schmährufen warfen alkoholisierte Teilnehmer eines Schulungsabends der NSDAP-Ortsgruppe Dorp die Fensterscheiben mit Steinen ein und fielen anschließend mit brutaler Gewalt über die jüdischen Bewohner des Hauses her. Obwohl die Angelegenheit Wellen bis nach Berlin geschlagen hatte, verliefen die Ermittlungen gegen die Täter im Sande. Die Opfer des Überfalls wurden 1941 und 1942 nach Litzmannstadt und Theresienstadt deportiert. Niemand von ihnen überlebte.

Gedenkfeier und Stolpersteinverlegung
Dienstag, 13. Juli 2021 um 18.00 Uhr
Am Neumarkt 5

Die Stolpersteine von Walter und Herta Helena Brauer und Friederike Blondine Strauss wurden gerade von Schüler:innen des Gymnasiums Schwertstraße geputzt. Foto: Daniel Rahn

Um an den 80. Jahrestag dieses Pogroms zu erinnern, wird im Rahmen einer Gedenkfeier ein Stolperstein für Hedwig Brauer Am Neumarkt 5 verlegt. Für ihren Sohn Walter, dessen Frau und Schwiegermutter liegen hier bereits Steine. Hedwig Brauer war an dieser Adresse zwar nie offiziell gemeldet, wird aber wohl nach dem Tod ihres Mannes hin und wieder aus Nürnberg zu Besuch gewesen sein. Erst im Juni 1941 zog sie offiziell nach Solingen an den Pfaffenberger Weg, wohin ihre Angehörigen inzwischen zwangseingewiesen worden waren. Dieser Ort kann daher nicht als „letzter freiwilliger Wohnort“ gelten, weswegen wir von einer Verlegung dort abgesehen haben. Zu einem späteren Zeitpunkt soll aber auch am Pfaffenberger Weg eine Info-Stele aufgestellt werden, um an den Überfall zu erinnern.

Zu der Gedenkveranstaltung werden Sylvia Löhrmann als Patin des Stolpersteins und Oberbürgermeister Tim Kurzbach Grußworte sprechen. Die Historiker Dr. Stephan Stracke und Armin Schulte werden etwas über die geschichtlichen Hintergründe des Pogroms und die Biographien der Betroffenen erzählen.

Es gelten die bekannten Corona-Regeln: Masketragen und Abstand halten.

Klasse 8a des Gymnasiums Schwertstraße putzt Stolpersteine

Am 25. Juni 2021 war Lehrer Daniel Rahn vom Gymnasium Schwertstraße mit seiner Klasse 8a in der Innenstadt unterwegs und hat 14 Stolpersteine geputzt. Die Steine der Familie von Max Leven, die sonst auch von der Schule betreut werden, sind derzeit wegen Bauarbeiten „im Depot“.

Deutlich sieht man an den Vorher-Nachher-Fotos bei Mathilde Stern und Carl Friedrich Goerdeler wie die Steine nach dem Einsatz wieder glänzten.

Stolpersteine eingetroffen

Katja Demnig brachte die drei neuen Stolpersteine persönlich nach Solingen. Foto: Daniela Tobias

Eigentlich hätten letzte Woche in Solingen drei neue Stolpersteine für Paul Rux, Paul Happel und Hedwig Brauer verlegt werden sollen. Leider musste Gunter Demnig aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie alle Verlegungen bis in den April 2021 absagen, aber seine Frau Katja Demnig hat uns heute die Steine persönlich vorbeigebracht.

Auch die Verlegung der acht Steine für die Familien von Siegfried und Alfred Feist, die im Herbst 2020 geplant war, musste bereits verschoben werden. Wir hoffen, dass das Infektionsgeschehen und der Impffortschritt es im Spätsommer wieder zulassen eine Verlegung im Beisein von Angehörigen, Stolpersteinpaten und weiteren Teilnehmern durchzuführen. Der genaue Termin wird bekanntgegeben, sobald eine verlässliche Planung möglich scheint.