Verein „Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen“ gegründet

Nach intensiver Vorbereitung wurde am 18. September der Verein „Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen“ gegründet. Dieser soll die Stadt Solingen als zukünftige Trägerin der Bildungs- und Gedenkstätte bei der Entwicklung und im späteren Betrieb als Kooperationspartner unterstützen. Die Stadt-Sparkasse Solingen hat hierfür Räume im Neubau ihrer Hauptgeschäftsstelle an der Max-Leven-Gasse eingeplant, die sie der Stadt Solingen zur Verfügung stellen will.

Gründungsvorstand des Vereins „Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen“, v.l.: René Höltken (Schatzmeister), Hatice Sahin (Beisitzerin), Dr. Ilka Werner (2. Vorsitzende), Dr. Horst Sassin (Schriftführer), Jürgen Regneri (Beisitzer), Daniela Tobias (Vorsitzende), Holger Kahle (Beisitzer), Ulli Becker (Beisitzerin), Dietmar Gaida (Beisitzer), Uwe von Massenbach (Beisitzer). Es fehlen die Beisitzerinnen Petra Lindenau und Sonja Kaufmann. Foto: Hans-Werner Bertl

Zur Vorsitzenden wurde die Leiterin des Unterstützerkreises Stolpersteine Daniela Tobias gewählt, ihre Stellvertreterin ist Superintendentin Dr. Ilka Werner, Schatzmeister wurde René Höltken (Leiter der Hauptgeschäftsstelle der Stadt-Sparkasse) und Schriftführer Dr. Horst Sassin (Bergischer Geschichtsverein). Neben dem geschäftsführenden Vorstand wirken acht Beisitzerinnen und Beisitzer im erweiterten Vorstand mit. „Wir freuen uns, dass wir die Vorstandsarbeit auf viele verschiedene Schultern verteilen konnten und freuen uns ebenso auf engagierte Mitarbeit aus dem Kreis der Mitglieder“, erklärte Daniela Tobias. Sobald mit der Eintragung ins Vereinsregister die formalen Voraussetzungen erfüllt sind, wird zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, und es können weitere Mitglieder aufgenommen werden. Im kommenden Jahr soll außerdem ein begleitender Beirat vom Vorstand einberufen werden.

Der Verein wird sich zukünftig sowohl an der praktischen Arbeit des Max-Leven-Zentrums beteiligen, wie auch Fördermittel, Sponsoren und Spenden einwerben. Auch in der Phase der Entwicklung bis zur Fertigstellung des Neubaus im Jahr 2023 plant der Verein in Kooperation mit dem Solinger Stadtarchiv und weiteren Akteuren bereits aktiv zu werden, indem er Veranstaltungen und Ausstellungen organisiert, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung vorantreibt oder Ehrenamtler schult. Ziel ist es, die Solinger Stadtgesellschaft und vor allem Jugendliche weiterhin aktiv in die Entwicklung einzubinden, um eine möglichst große Akzeptanz und Identifikation mit der Einrichtung zu fördern. Dr. Ilka Werner betonte, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Lokalgeschichte und das Aushandeln von Themen und Perspektiven – auch der unbequemen – bereits Teil der Gedenkstättenarbeit sind.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach bekräftigte als Gründungsmitglied, dass die Initiative für das Max-Leven-Zentrum zur richtigen Zeit komme. „Überlebende Zeitzeugen des Naziterrors stehen uns nicht mehr lange mit ihren Erinnerungen zur Verfügung. Die nächsten Generationen werden sich ohne sie mit den Ursachen und den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandersetzen müssen. Das Max-Leven-Zentrum kann helfen, diese wichtige Erinnerungsarbeit direkt vor der Haustür zu beginnen, in der Heimatstadt.“ Es beeindrucke ihn immer wieder, wie schnell sich in Solingen Engagierte in großer Zahl finden und begeistern lassen, wenn es darum gehe, eine kluge Idee Wirklichkeit werden zu lassen. „Dies zu erleben, macht mich stolz auf unsere Stadt. Ich glaube und hoffe, dass beides – Konzept und breite gesellschaftliche Zustimmung – auch den Stadtrat überzeugen werden, wenn er am 26. September über die Trägerschaft für die Bildungs- und Gedenkstätte berät.“

Für den professionellen Entwurf eines inhaltlichen Konzepts wird als nächstes ein Förderantrag bei der Landeszentrale für politische Bildung gestellt. „Dabei geht es um die Gestaltung einer Ausstellung und eine Profilbildung der historisch-wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeit des Max-Leven-Zentrums, die auch langfristig förderfähig ist“, erläuterte Daniela Tobias die nächsten Schritte, bevor es an die praktische Arbeit gehen kann. „Außerdem muss die Form der Zusammenarbeit des Vereins mit dem Stadtarchiv noch konkret festgelegt werden, um das ehrenamtliche Engagement mit den städtischen Abläufen kompatibel und verbindlich zu verknüpfen.“

Der Name Max Leven wurde vom Verein bewusst in die Bezeichnung der Bildungs- und Gedenkstätte aufgenommen, da sie nicht nur am Tatort der Ermordung des Kommunisten jüdischer Herkunft entstehen wird, sondern seine Geschichte für verschiedene Aspekte von Verfolgung und Widerstand als besonders fatales Beispiel steht. „Auch die Seite der Täter ist in seinem Fall gut dokumentiert und aufgearbeitet, was für das Verständnis der Wirkungsweise des NS-Regimes wichtig ist“, stellte Daniela Tobias die möglichen Anknüpfungspunkte für die weitere Gedenkstättenarbeit dar.

Eine erste Spende überbrachte Erik Pieck von der Linken. Der Solinger Kreisverband der Partei hatte den Erlös ihres Zöppkesmarktstands für den Verein vorgesehen. Dabei kamen am Wochenende 534,85 Euro zusammen.

Der Dank des Vereins gilt auch der Stadt-Sparkasse Solingen für das Vertrauen und die großzügige Unterstützung des Projekts.

Entwicklung einer „Bildungs- und Gedenkstätte Max Leven“

Max Leven wurde in der Pogromnacht in Solingen ermordet. Quelle: Stadtarchiv Solingen

Der ehrenamtliche Arbeitskreis „Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933-1945“ beschäftigt sich seit letztem Jahr mit der Entwicklung einer Ausstellung sowie Informationstafeln und Geschichtspfaden im öffentlichen Raum und weiteren Möglichkeiten, die Geschichte der Verfolgung und des Widerstands im Nationalsozialismus aufzuarbeiten und präsenter zu machen.

In Solingen war eine außergewöhnlich hohe Zahl an Menschen im Widerstand aktiv und natürlich auch von repressiven Maßnahmen bis hin zur Vernichtung betroffen. Man geht von über 1500 Männern und Frauen aus, die in der Klingenstadt versuchten Unterdrückung, Terror und Krieg etwas entgegenzusetzen. 57 von ihnen bezahlten diesen mutigen Einsatz mit ihrem Leben.

Bislang wird dieser Teil der Solinger Geschichte in der Öffentlichkeit vor allem durch Stolpersteine repräsentiert, die jedoch auf einzelne Opferbiographien fokussieren und keine zusammenhängende Aufarbeitung des gesamten geschichtlichen Kontextes ersetzen können. Es wäre daher wünschenswert, wenn auch in Solingen eine Gedenkstätte an einem authentischen historischen Ort entstehen würde. In anderen Städten in NRW haben solche Lern- und Begegnungsstätten riesigen Zulauf. Schulen müssen oft Wochen auf Besuchstermine warten.

Am Neumarkt 23 waren die ehemalige Buchhandlung der „Bergischen Arbeiterstimme“ sowie Redaktionsräume untergebracht.

Das Gebäude-Ensemble an der Max-Leven-Gasse 3-5 / Am Neumarkt 23 als ehemaliger Standort der „Bergischen Arbeiterstimme“ nebst Genossenschaftsdruckerei und Tatort der Ermordung des jüdischen Redakteurs Max Leven stellt in Solingen ein einmaliges historisches Erbe dar, das sowohl für die Verfolgung und den Widerstand während des NS-Regimes als auch für die Geschichte der Arbeiterbewegung in Solingen von Bedeutung ist. Das Gebäude-Ensemble ist als Teil eines von Historikern als „Arbeiter-City“ bezeichneten Bereichs zu betrachten. Hierzu zählen auch die in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden denkmalgeschützten Gebäude der AOK und des Spar- und Bauvereins.

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Ein Licht für Stolpersteine 2018

Auch im zweiten Jahr sind zahlreiche Solinger dem Aufruf gefolgt ein Licht für Stolpersteine anzuzünden, um am 80. Jahrestag der Novemberpogrome an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Unter ihnen waren der kommunistische Redakteur Max Leven, der in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in seiner Wohnung erschossen wurde und der Ohligser Kaufmann Paul Steeg, der am 11. November an den Folgen eines Magengeschwürs im Jüdischen Krankenhaus in Köln verstarb. Er war in der Nacht zuvor aus seiner Wohnung vertrieben worden, nachdem man die Einrichtung kurz und klein geschlagen hatte.

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Geschichtskurs der Schwertstraße putzt Stolpersteine

Gerd Adolf Friedberger. Quelle: Stadtarchiv Solingen

Kurz vor den Sommerferien haben auch die Schüler des Gymnasiums Schwertstraße „ihre“ Stolpersteine poliert. Zwei Grundkurse Geschichte der Jahrgangsstufe Q1 unter Leitung von Daniel Rahn waren dazu in der Innenstadt unterwegs. „Jetzt wissen wir, wie lange man braucht, wo die Steine sind und wie sie am besten gereinigt werden“, so der Pädagoge. Im nächsten Jahr ist geplant, dass die neunte Jahrgangsstufe im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts mit dem Themenschwerpunkt Nationalsozialismus die Reinigung übernimmt.

Den ersten Stein fanden die Schüler direkt vor dem Haupteingang des Gymnasiums. 2005 wurde hier für Gerd Adolf Friedberger ein Stolperstein verlegt. Er besuchte das Gymnasium bis 1938, als alle jüdischen Kinder gezwungen wurden die allgemeinen Schulen zu verlassen. Die Schüler-AG Bunker/Synagoge hatte zuvor seinen Lebensweg recherchiert. Obwohl er sich auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitete, deportierte man ihn 1941 zusammen mit seinen Eltern nach Lodz. Die Familie wurde Anfang Mai 1942 in Chelmno ermordet. „Geschichtskurs der Schwertstraße putzt Stolpersteine“ weiterlesen

Ein Licht für Stolpersteine

Foto: Uli Preuss

Achtzehn Solinger haben sich am 9. November 2017 spontan an der Aktion „Ein Licht für Stolpersteine“ beteiligt, um an die Verbrechen in der Reichspogromnacht vor 79 Jahren zu erinnern und der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

Erst am Vortag war durch das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, „Solingen ist Bunt statt Braun“, den Unterstützerkreis Stolpersteine für Solingen und die Facebook-Initiative „Dem Hass einen Korb“ nach einem Vorbild aus Hamburg dazu aufgerufen worden. „Ein Licht für Stolpersteine“ weiterlesen

Theodor-Heuss-Schule putzt Stolpersteine

Foto: Stefan Demren

Am 24. April 2017 sorgten in der Solinger Innenstadt mehrere Jugendliche für neugierige Blicke, die in kleinen Gruppen auf den Bürgersteigen hockten und dort das Pflaster bearbeiteten. Erst beim näheren hinschauen fiel den meisten Passanten auf, dass sie Stolpersteine putzten. „Die fanden es toll, dass wir das machen“, berichteten die Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Realschule, die sich derzeit im Rahmen einer Projektwoche mit dem Thema „Solingen im Nationalsozialismus“ beschäftigen. „Theodor-Heuss-Schule putzt Stolpersteine“ weiterlesen